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17/11/06

Marianne gegen Bonaparte

Aus dem Erdrutsch-Sieg von Ségolène Royal als Spitzenkandidatin der Sozialisten spricht die tiefe Sehnsucht der Franzosen nach einem Ende der Weltanschauungskonflikte.

Was war das für eine Begeisterung 2005, als die Franzosen bei ihrem Referendum den europäischen Verfassungsvertrag abgelehnt hatten. Für einen Augenblick schien ganz Frankreich eine Widerstandsbewegung zu sein, die die Flamme der Aufklärung bis in den letzten Winkel des Kontinents tragen wollte. Es war die Zeit der rauschenden Feste und Kongresse, auf denen sich die mehrheitlich linken Verfassungsgegner schon als Sieger auf der ganzen Linie feierten und mit dem konvertierten Ex-Premier Laurent Fabius als Bannerträger eine neue Volksfront in den Elysée-Palast wollte.

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Eleganz allein reicht nicht

Als erste Frau wird Ségolène Royal für die französische Präsidentschaft kandidieren. Die Sozialisten haben sie auf den Schild gehoben, nun muss sie noch das Volk überzeugen

Ségolène Royal hat’s geschafft. Mit 60,62 Prozent setzte sich die neue Lichtgestalt der französischen Sozialisten gegen ihren männlichen Gegner, den früheren Wirtschafts- und Finanzminister Dominique Strauss-Kahn (20,83 Prozent) und Ex-Premier Laurent Fabius (18,54 Prozent), durch. Alle Umfragen hatten vorhergesagt, dass die frühere Ministerin und Lebensgefährtin von Parteichef Hollande die parteiinterne Vorwahl gewinnen würde. Aber mit diesem Ausmaß hatte niemand gerechnet. Ein Triumph für “Ségo” und eine Demütigung für das alte Partei-Establishment.

Ségolène Royal ließ sich allerdings ein bisschen Zeit, bevor sie vor ihre Fans trat. Mit Sensibilität und Eleganz erklärte sie: „Ich will euch einfach sagen, welches Glück ich empfinde. Und ich erlebe diese Momente mit Intensität.“ Und sie versucht, diesem Augenblick eine historische Dimension zu geben: “Wir erleben etwas Außergewöhnliches, und es ist das französische Volk, das diese Geschichte schreibt.“ Recht hat sie: es ist in der Tat das erste Mal, dass die Sozialisten eine Kandidatin für die Präsidentschaftswahl präsentieren, und es ist das erste Mal, dass eine Frau ernsthafte Chancen hat, in den Elysée-Palast einzuziehen. Und Royal weiß, dass die Franzosen nur zu gern daran glauben, dass sie historische Momente erleben.

Eine breitere Basis, als sie bis jetzt hat, wird Royal allerdings Ende April 2007 gebrauchen, um die Präsidentschaftswahl zu gewinnen - und ein neues Trauma für die Sozialisten wie 2002 zu vermeiden. Damals schied ihr Kandidat Lionel Jospin bereits im ersten Wahlgang aus – gegen den Rechtsextremisten Le Pen und den späteren Wahlsieger Chirac. Grund dafür war, neben der Blässe des Kandidaten, einer Verzettelung der französischen Linken. Auch diesmal ist gar nicht sicher, dass sich der linke Flügel der Sozialisten und der übrigen Linken hinter Royal versammelt, angesichts ihrer Einstellungen etwa zum Thema Sicherheit.

Nun beginnt der schwierigere Weg für Royal, die jenseits ihres Images als Frau – nach wie vor ihr größtes Kapital – ihr Programm deutlich machen muss. Dazu wird es nicht mehr genügen, nur Werte und Weltanschauung vorzuführen.

Die konservative Regierungspartei UMP will ihren Kandidaten erst im neuen Jahr bestimmen. Als wahrscheinlicher UMP-Kandidat gilt der Parteichef und Innenminister Nicolas Sarkozy. In den Umfragen liegen Royal und Sarkozy Kopf an Kopf. Auf diesen Zweikampf wird es jetzt hinauslaufen: “Ségo” gegen “Sarko”, starke Frau gegen starken Mann. Der Kampf ist eröffnet.

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